1949

In Dresden wurde ein Esperanto-Werbevortrag vor ca. 200 Interessenten und in Klotzsche ein Werbevortrag mit einer Esperanto-Ausstellung durchgef├╝hrt.
Im "Zentralverordnungsblatt" vom 12.1.1949 wurde die Verordnung ├╝ber Aufl├Âsung aller Kunstsprach-Gruppen und Vereinigungen und die Einstellung von Esperanto-Sprachecken in Zeitungen und Zeitschriften, bekannt gegeben.
Am 17. Januar fand im Sportheim Dresden-L├Âbtau, die Jahreshauptversammlung der Gruppe L├Âbtau statt. In dieser Zusammenkunft wurde erkl├Ąrt, da├č die Landesregierung die Aufl├Âsung der Esperanto-Gruppen im Stadt- und Landkreis Dresden bis zum 24. Januar angeordnet habe.
Die Aufl├Âsungsverordnung wurde in der "S├Ąchsischen Zeitung", vom 1. M├Ąrz ver├Âffentlicht.
Damit war jegliche organisierte Esperantoarbeit in der Sowjetzone unm├Âglich geworden. Auf Anfragen einiger Esperantisten wurde ihnen mitgeteilt, private Anwendung des Esperantos, wie Korrespondenz sei m├Âglich.
Nach Eingaben stellten die Deutsche Wirtschaftskommission mit Schreiben vom April 1949 und die Deutsche Verwaltung des Inneren in der Sowjetischen Besatzungszone mit Schreiben vom Juni 1949 in Aussicht, Esperanto in den Kulturbund zur Demokratischen Erneuerung Deutschlands aufzunehmen. Dies geschah auch, aber ├Ârtlich unterschiedlich.

1950

Durch die Gr├╝ndung der DDR hofften die Esperantisten, da├č die Verordnung von 1949 damit au├čer Kraft gesetzt w├Ąre. Auf Schreiben an das Ministerium f├╝r Volksbildung wurde jedoch wie vorher, auf einen sp├Ąteren Termin vertr├Âstet. Mit Eingabe vom M├Ąrz an das M.d.I. wurde eine einheitliche Behandlung gefordert mit dem Erfolg, da├č Esperanto nun auch in Orten, in denen noch ├Âffentliche Arbeit m├Âglich war, untersagt wurde.
Die "Friedenspost" vom 18. Juni brachte einen gegen Esperanto gerichteten Artikel.
Statt Besserung der Verh├Ąltnisse wurden Haussuchungen, Verhaftungen, Beschlagnahmungen bekannt.

1951 bis 1954

In der ersten Zeit trafen sich aktive Esperantisten des Dresdner Bezirks monatlich einmal (5 - 8 Teiln.) privat, in Wohnungen oder Gastst├Ątten, wo sie ├╝ber ihre Eingaben und Korrespondenzen berichteten oder Esperantozeitungen weitergaben, die zuf├Ąllig durch die Zollkontrolle kamen.
Westdeutsche Esperantisten abonnierten Esperantozeitschriften und sendeten diese ihren Korrespondenten in Briefen, auch ausl├Ąndische Esperantisten versuchten, die Kontakte nicht abbrechen zu lassen.
Sp├Ąter wirkten einige Esperantisten als Vermittler von Esperantozeitschriften wie "Paco"(Frieden) und "Pacdefendanto" (Friedensk├Ąmpfer).

1955

wurde der Entschlu├č gefa├čt, die Volkskammerabgeordneten mit der Bitte anzuschreiben, die Sache der Esperantisten vor der Volkskammer zur Sprache zu bringen und zu vertreten. Da nach Artikel 144 der Verfassung die Verordnung vom 12.1.1949 (Aufl├Âsung der Esperanto-Gruppen) automatisch au├čer Kraft gesetzt wurde, und nach Artikel 12 der Verfassung "jeder B├╝rger das Recht hat, Vereine und Gesellschaften zu gr├╝nden, die den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen und nach Artikel 9 der Verfassung allen B├╝rgern das uneingeschr├Ąnkte Versammlungsrecht einger├Ąumt wird. Die Eingabe blieb ohne sichtlichen Erfolg. Es wurde zugesichert das ganze Problem einer nochmaligen Pr├╝fung zu unterziehen. Mit Schreiben vom 15. M├Ąrz teilte das Sekretariat der Volkskammer mit, da├č das Verbot der Esperanto-Gruppen nicht als Verbot der Kunstsprache Esperanto aufzufassen ist. W├Ârtlich hie├č es weiter: "Niemand hindert Sie, diese Sprache zu sprechen oder zu schreiben. Im ├╝brigen wird aber der Wert des Esperanto in Abrede gestellt".
Dresdner Esperantisten und Esperantisten aus der Umgebung trafen sich regelm├Ą├čig jeden Monat einmal in Dresden-Wachwitz (mit poliz. Genehmigung).
Die jungen Esperantisten der DDR trafen sich zu ihrem 1. Treffen in der Jugendherberge bei K├Ânigstein.

1956

Die jungen Esperantisten gaben ab Januar ein eigenes Mitteilungsblatt "La verda insulo" heraus.
Es gelang, den Ortsfriedensrat in Radebeul f├╝r Esperanto zu interessieren, daraufhin wurde dieses auch in anderen Orten versucht, mit gleichem Ergebnis. Im Schriftwechsel mit dem Generalsekret├Ąr des Deutschen Friedensrates, Berlin teilte dieser mit: "Dem D.F. kommt es darauf an, da├č m├Âglichst viele Menschen sich aktiv um die Verbreitung der Idee der Friedensbewegung bem├╝hen. Wenn Freunde der Auffassung sind, da├č sie sich hierf├╝r des Esperanto bedienen wollen, so bleibt es ihnen selbst ├╝berlassen". Auch die SED Bezirksleitung Dresden schrieb in einem Brief, da├č die Arbeit im Friedensrat mit Esperanto-Briefwechsel m├Âglich sei.
Der Deutsche Friedensrat legte fest, da├č in den Kreisen, wo Esperantisten zusammenarbeiten wollen, Kommissionen "Internationaler Schriftverkehr" zu bilden sind. Portokosten werden von den zust├Ąndigen Orts-, Betriebs- und Schulfriedensr├Ąten ├╝bernommen.
Mit Hilfe der Esperantisten von Dresden wurden einige Esperantisten zu einem Treffen nach Mei├čen eingeladen. An diesem Treffen (27. Mai), welches polizeilich angemeldet war, nahmen 54 Esperantisten aus 22 Orten der DDR teil. Dort wurde unter anderem bekanntgegeben, da├č an den Schulen in Neuruppin, Dresden-Klotzsche und Freital innerhalb der Schuljugend bereits beachtliche Erfolge durch Esperanto zu verzeichnen w├Ąren.
Die jungen Esperantisten von Dresden und Umgebung nahmen am 9. und 10. Juni am 2. Touristischen Esperanto Jugendtreffen in Rathewalde teil. Dort beschlossen einige junge Esperantisten am 12. TEJO Kongre├č in B├╝sum teilzunehmen.
27. und 28. Oktober trafen sich die jungen Esperantisten zu ihrem 3. Touristischen Esperanto Jugendtreffen in Bad Schandau-K├Ânigstein.
Am 12. November erschien die erste Nummer des "Informilo" (Informationsblatt) und berichtete ├╝ber die bisherigen Ergebnisse von Eingaben, Geschichte des Esperantos seit der Aufl├Âsung der Gruppen 1949 und dem Aufruf der Leningrader Jugend an die Weltjugend, Esperanto zu erlernen um sich beim Festival in Moskau verst├Ąndigen zu k├Ânnen.

1957

In Radebeul wurde ein Anf├Ąngerkurs im VEB Zentrifugal, mit 15 Teilnehmern durchgef├╝hrt, gleichzeitig wurden 33 Kinder in der Mittelschule Radebeul unterrichtet. In Dretschen wurden 22 Personen in Esperanto unterrichtet.
Die Esperanto Revuen "Norda Prismo" (Nordisches Prisma, Schweden) und "Nuntempa Bulgario" (Heutiges Bulgarien) konnten ├╝ber Esperantovertreter bestellt werden. Der Bezug von Esperantozeitungen ├╝ber das Zeitungsvertriebsamt wurde weiterhin mit dem Hinweis auf die Verordnung von 1949 abgelehnt.
Am 17. Februar fand in Dresden das 4. Esperanto-Jugendtreffen, statt.
Am 20.3. erschien in der Union ein Artikel "La├čt uns die Sprache der Gesten ersetzen". Es war der erste positive Esperantoartikel in einer Dresdner Zeitung seit 1949.
Am 23.3.1957 wurde vom Rat des Bezirks Dresden, Abteilung f├╝r Innere Angelegenheiten er├Âffnet, da├č mit sofortiger Wirkung jede Art von Zusammenk├╝nften und gemeinschaftliche Bet├Ątigung der Esperantisten, solange die Verordnung vom 12.1.1949 noch besteht, verboten ist. Den Esperantisten in Dresden und Umgebung wurde am gleichen Tag mitgeteilt, da├č die monatlichen Versammlungen und das f├╝r den 20. April geplante DDR Esperanto-Landestreffen in Riesa verboten wurden.
Esperantisten schrieben Protestbriefe an den Rat des Bezirks gegen das Verbot vom 23. M├Ąrz. Es konnten aber nach telf. Absprache mit der SED Kreisleitung Esperantokurse im VEB Zentrifugal und in der Mittelschule Radebeul durchgef├╝hrt werden. Anfang Mai erschien das sechste "Informilo" in dem ├╝ber die letzten Ereignisse berichtet wurde. Hingewiesen wurde auf Kurse, die au├čer in Radebeul auch in Freital, Pirna, Sebnitz, Wilthen, Dretschen und Zittau laufen.
Am 30. Juni kamen die Esperantisten von Dresden in Wachwitz wieder zusammen. Die Veranstaltung war poliz. gemeldet.
Auf Grund der Protestschreiben an den Rat des Bezirkes wurden Esperantisten zu einer Aussprache in die Abteilung Inneres vorgeladen.
Auf einen Brief an die Volkhochschule Dresden erfolgte am 8. Juli die Antwort, da├č der Esperanto-Unterricht von der ├╝bergeordneten Dienststelle als unerw├╝nscht abgelehnt wurde.
Die Presse der Sowjetunion Nr.95 (18. August), Berlin brachte den Artikel "Esperanto - heute noch aktuell ?", (Prof. J.Bokarjow). Viele Esperantisten schrieben hierauf an die Redaktion und an Regierungsstellen, diese antworteten jedoch meist wie vorher negativ. Die Antwort vom Ministerium f├╝r Volksbildung lautete z.B., der Artikel beinhalte nur die Meinung eines Professors, unser Staat ist nicht der Auffassung, da├č ein ├Âffentliches Interesse an der Bildung einer Esperanto-Organisation oder die Abhaltung von Esperantokursen besteht.
Die jungen Esperantisten f├╝hrten ihr 6.Treffen in K├Ânigstein durch.
Die "Union" vom 12.12.57 brachte wieder einen positiven Artikel zu Esperanto "70 Jahre Welthifssprache" von Prof. Lapenna.

1958

Am 16. Februar traf sich die Esperanto-Jugend in Dresden zu ihrem 7. Touristischen-Esperanto-Jugend-Treffen.
Die Esperantisten Radebeuls trafen sich regelm├Ą├čig in der Gastst├Ątte "Carolaschl├Â├čchen", oft nahmen auch Sprachfreunde von Dresden und der Umgebung teil.
Durch Berichte ├╝ber das Esperantotreffen im Rahmen der 6. Weltfestspiele der Jugend in Moskau, welche in Zeitungen oder Rundfunksendungen bekannt wurden, interessierten sich auch einige FDJ Mitglieder im VEB Funkwerk, Dresden f├╝r Esperanto. Durch eine Wandzeitung im Betrieb wurde f├╝r einen Anf├Ąngerkurs unter der Jugend geworben. Nach Meldung an den Zentralrat der FDJ wurde die Leitung der FDJ-Betriebsgruppe in einem Antwortschreiben dahingehend informiert, da├č es nicht Aufgabe der FDJ sei, Esperanto zu unterrichten, sondern die Jugendlichen auf das Erlernen lebender Sprachen in Volkhochschulen zu verweisen.
Daraufhin wurde die Esperanto-Werbung im Funkwerk und einigen anderen Betrieben unterbunden.
15. Mai fand in Neukirch ein Treffen von Esperantisten der Lausitz, mit G├Ąsten von Pirna, Dresden u.s.w. statt. Ein Vortrag ├╝ber die Ergebnisse in der Esperantoarbeit von 1945 bis 1958 wurde durchgef├╝hrt.
Dresdner Esperantisten hatten sich mit Hinweis auf die guten Erfolge der Radebeuler Gruppe an den Bezirksfriedensrat in Dresden gewandt, ob er auch in Dresden einen Zirkel der Internationalen Verbindung gr├╝nden k├Ânne. Die Bezirksleitung Dresden antwortete am 20. Juni, da├č sie keine Zustimmung geben k├Ânnten, da keine Gr├╝ndung von Gruppen f├╝r Esperanto oder andere Fremdsprachen im Friedensrat beabsichtigt sei.
Da ab diesem Jahr immer mehr Lesestoff in Esperanto gebraucht wurde, wurden die "Dresdenaj Kajeretoj" herausgegeben. Diese Heftchen wurden durch einen Tausendfachstempel mit Wachsmatritzen vervielf├Ąltigt. Ab diesem Zeitpunkt stellte man auch die "Informiloj" nach dieser Methode her. Als erste Hefte erschienen 1. "Rakontoj kaj Noveletoj", 2. "Elementar W├Ârterbuch Esp/Deutsch" und 3. "Sprita├ä┬Áoj, Humora├ä┬Áoj"...
Es wurde Verbindung mit dem Direktor der Volkshochschule Quedlinburg aufgenommen, wo der erste offizielle Esperanto-Kurs der DDR lief. Auch andere Esperantisten schrieben nach Quedlinburg, in der Hoffnung, auch in anderen St├Ądten Kurse im Rahmen der Volkshochschulen zu erm├Âglichen.

1959

Am 15. M├Ąrz fand eine ministeriell genehmigte Konferenz der Esperantisten in Quedlinburg statt (13 Teilnehmer). Thema war die Gr├╝ndung von Interessengruppen f├╝r Esperanto in der DDR. Als Sitz f├╝r die Leitung wurde Dresden-Klotzsche vorgeschlagen. Diese Vorschl├Ąge und eine Entschlie├čung wurden am 18. M├Ąrz pers├Ânlich im Ministerium f├╝r Volksbildung ├╝bergeben.
Am 8. April wurde der Esperanto-Kurs in Quedlinburg verboten.
15. Juni wurde an das Ministerum f├╝r Volksbildung geschrieben, da bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Antwort auf die Zulassungs-Konferenzunterlagen kam. Gleichzeitig bat man um Beantwortung der Frage, ob es m├Âglich sei, am Esperanto-Weltkongre├č in Warschau teilzunehmen. Am 2. Juli antwortete das Ministerium, da├č sie den Brief an den Deutschen Friedensrat, Berlin weitergeleitet h├Ątten, da dieser zust├Ąndig w├Ąre. Daraufhin wurde umgehend beim Deutschen Friedensrat angefragt. Am 10. Juli schrieb der Friedensrat, da├č ein Esperantist als Delegierter des Friedensrates am 44. Weltkongre├č des Esperanto teilnehmen k├Ânne. Am 21. Juli wurde ihm mitgeteilt, das er leider nicht teilnehmen k├Ânne. Am 8. August teilte ihm auch das Ministerium des Inneren mit, da├č seinem Antrag auf Teilnahme am Weltkongre├č nicht entsprochen werden konnte.
10 Esperantisten der DDR nahmen am Kongre├č teil. Darunter ein Teilnehmer aus Dresden.
Im 16. Mitteilungsblatt wurde ├╝ber das Erscheinen der Dresdner Heftchen 4. "Hadumoth" und 5.. informiert.

1960

Im Januar erschien erstmals eine Ausgabe des "Paco" in der DDR, sie wurde mit Hilfe des Friedensrats herausgegeben. So schrieb man an das Ministerium f├╝r Kultur, ob es jetzt, nachdem eine "Paco" Ausgabe in der DDR gedruckt wurde, auch eine Druckgenehmigung f├╝r Esperanto-Schriften geben k├Ânne. Die Antwort lautete, da├č die Herausgabe des "Paco" nur eine Sondergenehmigung gewesen sei.
Im Januar erschien das 17. Mitteilungsblatt.
Im Juli wurde im 18. Mitteilungsblatt geschrieben: "Ich stelle in unserer Entwicklung nach dem Weltkongre├č in Warschau eine Stagnation fest. Die Herausgabe des "Paco" war die letzte positive Handlung des Friedensrates, denn wie man danach aus Briefen erfuhr, ├╝bergab der Friedensrat die Esperanto-Arbeit an den Kulturbund. Doch genaues w├Ąre noch nicht bekannt geworden".
Am 30. Oktober fand in der monatlichen Esperanto-Zusammenkunft in Dresden-Wachwitz der Vortrag "Bulgarien, Land der Rosen und Dimitroffs" mit dem Gastredner Hesapchiev statt. Hesapchief war Gast des Friedensrates, der auch einen Vertreter zu dieser Zusammenkunft gesandt hatte.
Im 19. Mitteilungsblatt vom November wurde geschrieben, da├č sich die Esperantosache langsam bessere. Die ├ťbersetzungen des Briefes W.Ulbrichts an Adenauer, der Deutschlandplan, in Esperanto und die Verschickung an Esperantisten in Westdeutschland und dem Ausland fand Anerkennung bei einigen Instanzen. Von den Dresdner Heftchen erschien 6. "Kiel la stelaro estas farita".
Durch Esperantisten konnten inzwischen weitere Esperanto-Zeitungen bezogen werden. Z.B. "El popola Ĉinio" (Aus Volkschina). "Vjetnamio anta┼şenmar┼Łhas" (Vietnam marschiert vorw├Ąrts).

1961

Nach Absprache mit dem Vorsitzenden der LDPD-Wohnbezikgruppe Klotzsche, wurde vor dieser Parteigruppe am 24. M├Ąrz der Vortrag "Esperanto - eine wichtige Waffe im Friedenskampf" gehalten.
Im Juli fragte man beim Bundessekretariat des Kulturbundes an, ob Fremd-Sprachgruppen im Kulturbund gebildet werden k├Ânnen, wo sich auch die Esperantisten beteiligen w├╝rden. Im August antwortete der Kulturbund, da├č es m├Âglich sei im Rahmen des Kulturbund Fremdsprachzirkel zu bilden, ausgenommen von Esperanto.
Im Gesetzblatt der DDR Nr. 64, vom 15. September wurde die Verordnung vom 12.1.49 au├čer Kraft gesetzt. Daraufhin stellten viele Esperantisten Anfragen an das Ministerium des Innern, ob es nun m├Âglich sei, Esperanto-Gruppen zu gr├╝nden und Drucksachen in Esperanto herstellen zu lassen. Die Antwort lautete, da├č sich durch Aufhebung der Verordnung nichts ver├Ąndert h├Ątte, die Esperantisten sollten sich wie bisher an den Friedensrat wenden. Auch das Ministerium f├╝r Post- und Fernmeldewesen schrieb auf Anfragen, es bestehe nach wie vor, aus politischen und ├Âkonomischen Gr├╝nden, kein Interesse an der Einfuhr von Esperanto-Literatur aus dem sozialistischen L├Ąndern.
Radio Warschau, Esperanto-Redaktion, strahlte im Oktober eine Sendung aus Anla├č der 300-Jahrfeier der Deutschen Staatsbibliothek, Berlin,aus. Dadurch erfuhren die Esperantisten, da├č die Staatsbibliothek auch einen gro├čen Bestand an Esperanto-B├╝chern h├Ątte. Auf Anfrage, erhiel man die Meldung, da├č die Bibliothek im Besitz der 2 000 B├Ąnde umfassenden Esperanto-Sammlung gelangt ist (Kgl.S├Ąchsische Esperanto-B├╝cherei), die in K├╝rze zur Benutzung bereitgestellt w├╝rde.

1962

Im M├Ąrz wurde erneut an den Kreisfriedensrat Dresden geschrieben, da├č die Esperantisten vom Ministerium f├╝r Kultur aufgefordert wurden, mit den Friedensr├Ąten Hand in Hand zu arbeiten. Die Antwort lautete: Es ist uns unverst├Ąndlich, da├č Sie jetzt vom Ministerium diese Mitteilung erhalten haben, denn auf der 22. Plenartagung des Deutschen Friedensrates wurde beschlossen,da├č die bisherigen Aufgaben der Friedensbewegung von der Nationalen Front ├╝bernommen werden. Sie m├╝ssen sich demzufolge mit der Nationalen Front in Verbindung setzen.
Im Mai wurde ein Esperantist von der Polizei vorgeladen, wo ihm mitgeteilt wurde, da├č jede Zusammenkunft, jede Werbung, ja selbst der Verkauf von Esperanto-Abzeichen und Literatur verboten sei.
Auch in Dresden wurde eine der monatlichen Esperanto-Zusammenk├╝nfte polizeilich aufgel├Âst. Auf die Frage, ob man f├╝r sp├Ątere Zusammenk├╝nfte wie bisher polizeiliche Genehmigung beantragen k├Ânne, wurde mit einem klaren nein geantwortet. Die aktivsten Teilnehmer wurden sp├Ąter zur Polizei vorgeladen, wo sie eine Erk├Ąrung unterschreiben mu├čten. In ihr stand, da├č sie keine Werbung f├╝r Eperanto machen und sich nicht versammeln d├╝rften.
In Radebeul wurde im Juli der Kurs beim Deutschen Roten Kreuz verboten, daraufhin wendete man sich an das Bezirksgericht und erhiel nach einer Aussprache die Antwort eines Richters: was in der DDR nicht gesetzlich verboten ist, ist erlaubt. Das fr├╝here Verbot der Esperanto-Gruppen ist gesetzlich aufgehoben worden. Sie k├Ânnten also ohne weiteres eine Gruppe gr├╝nden. Der anwesende Staatsanwalt war der gleichen Meinung und er ├Ąu├čerte, da├č die Ma├čnahmen der Polizei gesetzwidrig seien. Er beabsichtigte, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen. Am 31. Juli trafen sich die Radebeuler Esperantisten zu ihrer monatlichen Zusammenkunft. Die Anwesenden wurden ├╝ber die Ergebnisse beim Bezirksgericht informiert. Darauf beschlossen die Teilnehmer, eine Esperanto-Gruppe zu gr├╝nden. Am 1. August informierte man die Volkspolizei Dresden, da├č die Radebeuler Esperantisten am 31. Juli eine Esperanto-Gruppe gegr├╝ndet h├Ątten und man die Satzungen nachreichen werde.

1963

Von den Dresdner Heftchen erschienen die 7. "Timo", 8. "" und 9. "Gravaj argumentoj por Esperanto".

1964

Am 7. M├Ąrz fand in Leipzig ein offizielles Treffen der Esperanto-Friedensfreunde der DDR statt, an diesem nahmen auch Esperantisten des Raumes Dresden teil. Es wurde ein Bericht ├╝ber den 48.Esperanto-Weltkongre├č in Sofia gehalten, danach wurde in der Diskussion ├╝ber Esperanto-Probleme in verschiedenen Orten der DDR, Fragen des Nachwuchses, Lehrm├Âglichkeiten und Publikation berichtet.
Im September erhielten einige aktive Esperantisten vom Friedensrat den Bescheid, da├č die Betreuung der Esperanto-Bewegung vom Deutschen Kulturbund, Berlin, ├╝bernommen wurde und demn├Ąchst hierf├╝r Richtlinien herausgegeben w├╝rden.

Erinnerung an eine Erinnerung
Klaus Urban erz├Ąhlte mir von einem Vorgang, der sich in der Verbotszeit vor 1965 ereignete. Den Ort zeigte er mir in der Zeit nach 2001 im Vorbeifahren (Richtung Pirna zum Verein) an der Pillnitzer Landstra├če eine ehemalige Gastst├Ątte. Wenn ich mich richtig erinnere, handelt es sich um das Erbgericht Niederpoyritz in der N├Ąhe der Elb-F├Ąhre. Die Esperanto-Freunde trafen sich dort in einem durch eine Schiebe-T├╝r abteilbaren Bereich. Sie blieb ge├Âffnet. Esperantisten durften sich nicht versammeln. Offiziell waren sie Sammler von Briefmarken oder sprachen ├╝ber Brief-Korrespondenzen. Unerwartet beschwerte sich ein Gast aus dem Hauptraum, die Leute hier seien zu laut und schloss die T├╝r. Unmittelbar darauf traten Polizeikr├Ąfte als Vertreter der Staatsmacht ein. Das Treffen wurde aufgel├Âst und die Esperanto-Freunde zur Vernehmung auf die Schie├čgasse geladen. 20210901SE